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Bücher rund um das Thema Finanzen und Investition

Comeback von Silber – das unbeachtete Multitalent

Sebastian Weißschnur zu Edelmetallen

Allmählich lichtet sich der Nebel über dem Corona-getriebenen
Wirtschaftseinbruch. Die Rezession ist da, die erste Infektionswelle von
Covid-19 löste einen beispiellosen Boom-Bust-Effekt in vielen Ländern
der Welt aus. In der EU zementiert die durch Corona verursachte
Neuverschuldung für sicherlich zumindest eine Dekade die seit Jahren
bestehende Niedrigzins-Ära. Damit gibt es kaum noch zinsbringende
Anlagealternativen. Trotz wochenlangem Shut-down und Kurzarbeit verfügen
deutsche Haushalte über enorme finanzielle Reserven – Ende März 2020 belief sich das Geldvermögen auf rund 6.337,2 Milliarden Euro!

Silber – der neue sichere Hafen?

In der Vergangenheit haben Anleger Preisanstiege von Silber häufig
für Verkäufe und damit verbundene Gewinnmitnahmen genutzt. Das hat sich jetzt augenscheinlich geändert: Viele der bereits investierten Anleger bleiben im Markt, während neue Anleger hinzuströmen. Die Angst vor einer zweiten Konjunkturdelle liegt in der Luft, Anleger retten sich in
vermeintlich sichere Häfen. Einer nachhaltigen Erholung der
Volkswirtschaften möchte offenbar niemand so recht trauen. Silber
erfüllt als Edelmetall das Bedürfnis nach sachwertorientierter
Absicherung vor dem Hintergrund steigender globaler Verschuldung und
desperater Notenbankpolitik. Neben Gold gilt Silber schon immer als
Krisenwährung. Sollten tatsächlich eines Tages Alltagsgegenstände oder
gar Lebensmittel wieder gegen Gold und Silber getauscht werden müssen, so ist das deutlich günstigere Silber im Vergleich zu Gold für den
Handel im Vorteil. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Besitz von Gold bereits mehrfach verboten wurde: In Deutschland im Jahr 1923, in den USA 1933, in Frankreich 1936, in Indien 1963 und in Großbritannien im Jahr 1966. Der Besitz von Silber hingegen war noch nie illegal. Da Silber ein Industriemetall ist, wäre ein solches Verbot auch kaum vorstellbar beziehungsweise umzusetzen.

Woher die hohe Silber-Nachfrage kommt

Insbesondere Silber-ETFs verzeichnen seit dem Tief des Corona-Crashs
Mitte März Zuflüsse von mehr als 7.000 Tonnen – das hat es in diesem
Umfang noch nie gegeben. Eine entscheidende Ursache des
Nachfrageanstiegs aus Sicht der Kennzahlenanalyse könnte das
Gold-Silber-Verhältnis sein, das seit 2011 stets deutlich zugunsten von
Gold ausfiel. Viele Investoren verstehen eine Gold-Silber-Ratio um 80
als Kaufsignal für Silber. Im März lag das Verhältnis bei knapp 130! Im
historischen Vergleich fallen diese Werte sehr hoch aus.
Zeitgleich wirkte sich in den vergangenen Wochen auch der schwache US-Dollar als wichtiger Preistreiber für Edelmetalle aus. Gold und Silber werden in Dollar gehandelt, so dass ein Kursrückgang der
amerikanischen Währung die Edelmetalle in Ländern außerhalb der
Dollar-Länder günstiger macht – und dies steigert die Nachfrage.
Auch die Entwicklung der Konjunktur beeinflusst die Nachfrage nach Silber entscheidend. So wurde der Silberpreis durch den weltweiten Produktionseinbruch abrupt ausgebremst, zumal Silber häufig als Rohstoff in der Industrie eingesetzt wird. Nachdem nun auf allen Kontinenten milliardenschwere Hilfspakete geschnürt wurden, sehen viele Anleger eine verstärkte Nachfrage für die industrielle Verarbeitung und glauben an ein höheres Steigerungspotenzial beim Silberpreis als bei Gold. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung – denn neben einem Anstieg der industriellen Nachfrage beeinflusst der Anstieg des Silberpreises wiederum die Investmentnachfrage positiv – was den Silberpreis weiter antreibt!

Rohstoff Silber

Silber wird in der Industrie in großen Mengen z.B. für neue Technologien wie Supraleiter benötigt. Der Rohstoff ist Bestandteil von Produkten wie Automobilen, Smartphones, Medizinbesteck, Funktionskleidung und Solaranlagen. Kein Metall leitet elektrischen Strom und thermische Energie besser als Silber. Das Gleiche gilt für die Reflexion von Licht. Aus diesem Grund sind auch alle hochwertigen Spiegel mit Silber beschichtet. Darüber hinaus ist Silber antiseptisch und wird seit über 5.000 Jahren als Münzgeld verwendet.
Der Bedarf nach Silber wächst. Die bekannten Silbervorkommen reichen voraussichtlich nur noch bis zum Jahr 2034. In Deutschland befinden sich relevante Silbervorkommen im Erzgebirge, im Harz und im Schwarzwald. Im Jahr 2019 verarbeitete die Industrie etwa 58 Prozent des Silberangebotes. Ungefähr 25 Prozent wurden recycelt, zum Beispiel durch das Einschmelzen alten Silberschmucks, Münzen, Elektronikteilen oder Industrieabfällen. Die verbleibende Differenz wurde entsorgt und ist auf Müllhalden auf der ganzen Welt verteilt. Da Silber zu etwa 70 Prozent als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Kupfer, Blei, Zink oder Gold anfällt, kann die Förderung selbst bei steigenden Preisen nicht sofort gesteigert werden.
Wie sich in Silber investieren lässt
Edelmetalle sind grundsätzlich immer nur als Beimischung in der Vermögensplanung Anlegers sinnvoll. Zudem stellen Edelmetalle ein langfristig orientiertes Investment dar. Wem der dingliche Besitz von Silber wichtig ist, für den eignet sich der Kauf physischer Silbermünzen oder Silberbarren am besten. Sie sind unmittelbares Eigentum des Anlegers und jederzeit verfügbar. Es gibt allerdings auch einige Haken: Die Mehrwertsteuer verteuert den Kaufpreis um 19 Prozent. Außerdem müssen die erworbenen Barren oder Münzen sicher gelagert werden. Sofern dies nicht im (unsicheren) heimischen Tresor geschieht, fallen auch dafür weitere Kosten an, für die Lagermiete, die Verwaltung, den Versicherungsschutz und gegebenenfalls einen Treuhänder.
Deutlich günstiger kommt da eine börsliche Anlage in Wertpapiere wie ETCs daher. Von diesen zu unterscheiden sind Mischfonds, die meist nicht den Silberpreis abbilden, sondern in unternehmerische Risiken spezialisierter Minenbetreiber investieren. Bei einem Silber-ETC schlüpft der Anleger in die Rolle des Gläubigers einer unbefristeten Inhaberschuldverschreibung. Da hinter diesem Papier kein Sondervermögen steht, ist bei dem Kauf des ETCs unbedingt darauf zu achten, dass das Emissionshaus eine Absicherung mit physischem Silber anbietet. Für diese Fälle verwahrt der Anbieter die zur Wertpapierhöhe passenden physischen Silberbarren in einem versicherten Großraumtresor einer Bank. Zusätzlich sollte der Anleger darauf achten, dass er im Fall einer Schieflage des ETC-Anbieters einen Anspruch auf Auslieferung des physischen Gegenwertes hat.
Bislang durfte der Anleger davon ausgehen, dass Kursgewinne solcher Schuldverschreibungen nach einjähriger Haltedauer steuerfrei blieben. Mit Beginn des Jahres 2021 plant das Bundesfinanzamt eine Erweiterung des Paragraf 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG (Einkommensteuergesetz) und belegt die aus physisch besicherten ETCs resultierenden Kursgewinne mit der Abgeltungssteuer. Ohnehin beschränkt sich das Angebot für Privatanleger in Deutschland Stand heute ausschließlich auf Gold-ETCs. Für den Wunsch nach einer Anlage in ein Silber-ETC kann er auf das Angebot professioneller Anbieter wie Vermögensverwalter zurückgreifen, die international auf institutioneller Basis investieren.

Checkliste für Silber-Anleger

Viele Anleger halten das Edelmetall Silber aufgrund des fulminanten Preisanstiegs 2020 für einen Erfolgsgaranten in ihrer Anlagestrategie. Um dieser Erwartung gerecht zu werden, hier einige Tipps.

Für den erfolgreichen Kauf von physischem Silber:

  • führende Vergleichsportale nutzen, um günstigste Silberpreise zu identifizieren
  • nicht nur auf Silber setzen – Gold, Platin und Palladium können sinnvolle Beimischungen sein
  • Händler sollte Mitglied im Berufsverband des deutschen Münzhandels sein (Logo zeigt König mit einem Kreuz im Arm)
  • Versandkosten im Ankaufpreis kalkulieren
  • Echtheitsgarantie vorhanden? Ankauf nur bei führenden Scheideanstalten nach dem Standard der London Bullion Market Association (LBMA)

 

Für die erfolgreiche Lagerung von physischem Silber:

  • bankenunabhängig lagern
  • „Einzelverwahrung“ wählen, falls möglich
  • Persönliche Lagerungsbestätigung anfordern
  • Auf arbeitstäglichen Rückkauf mit Auszahlungsmöglichkeit achten
  • physische Auslieferung auch bei kleineren Mengen möglich?
  • Transport-/Versandkosten in gutem Verhältnis? Andernfalls besser direkt ab Lager verkaufen
  • Keine Laufzeiten im Lagervertrag, jederzeit kündbar

 

Für die erfolgreiche Investition in Silber-ETCs:

  • neben Silber auch in Gold, Platin und Palladium als sinnvolle Beimischungen investieren
  • für Streuung besser auf professionellen Anbieter wie Vermögensverwalter zurückgreifen
  • alle Depotpositionen „besichert“, das heißt Kurswert des Depots über physischen Edelmetall-Bestand gedeckt?
  • Auslieferungsanspruch des Gegenwertes als physisches Edelmetall vorhanden?
Es bleibt festzuhalten, dass mit dem Kauf von physischem Silber vorrangig dem Sicherheitsbedürfnis Rechnung getragen wird. Mit einer Investition in ein Silber-ETC kommen Anleger auf ihre Kosten, für die zusätzlich die Preisentwicklung von Edelmetallen wichtig ist.
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